Manuel C. Widmer

Manuel C. Widmer
Lehrer, Grossrat, DJ

ERSTE WAHL FÜR KLIMA, BILDUNG, KULTUR UND NACHT- & LEBEN

«Global denken –  lokal handeln. Ökologisch, liberal und  sozial im Dialog. Lösungsorientierte Politik für das Quartier, die Stadt und  den Kanton Bern»

Des classes bilingue dans tout le Canton de Berne

Ein Kind in der Classe Bilingue schreibt an die Tafel

Während Biel seit 2010 ihre Filière Bilingue FiBi als erfolgreich führt, wird ein analoger Schulversuch in der Stadt Bern nach 7 Jahren Mitte 2026 beendet. Damit verliert die Hauptstadt des zweisprachigen Kantons sein biliguales Aushängeschild schon wieder.

 

Der Entscheid ist auch staatspolitisch ungeschickt, die Stadt Bern ist Bundesstadt und auch Hauptstadt unseres zweisprachigen Kantons. Es ist ein schlechtes Zeichen gegenüber der frankophonen Minderheit im Kanton und gegenüber der welschen Schweiz. Es ist mit Blick auf die Diskussion um den Wert und Wichtigkeit des (Früh-) Französischunterrichts in Kanton und der ganzen Schweiz kaum förderlich.

 

Auf Seite 9 des Berichts zur Umsetzung der strategischen Ziele und der Vision 2030 (Richtlinien der Regierungspolitik 2023–2026), den der Grosse Rat in der Sommersession behandelt, unterstreicht der Regierungsrat die Wichtigkeit der Zweisprachigkeit für den Kanton. Als Entwicklungsschwerpunkte unter Ziel 4 (Der Kanton Bern pflegt seine Vielfalt und nutzt das Potenzial der Zweisprachigkeit.) formuliert er unter anderen:
«Als Brückenkanton zwischen der deutsch- und der französischsprachigen Schweiz fördert der die Zweisprachigkeit und nutzt sie verstärkt als Chance. Er unterstützt Projekte namentlich im Bildungsbereich und setzt sich verstärkt für wirtschaftliche und kulturelle Kooperationen ein.»
Und: «Der Kanton modernisiert und reorganisiert seine Dienstleistungen und Institutionen im französisch- und zweisprachigen Teil des Kantons.»
Weiter ist da zu lesen: «Im Bereich der Zweisprachigkeit ermöglicht das System der Bundes- und Kantonsbeiträge weiterhin die Unterstützung zahlreicher Projekte, insbesondere in den Bereichen Schulen, Sprachaustausch, Spitäler und Kantonsverwaltung.»
Auch wird die ClaBi in der Stadt Bern als eines der Erfolgsprojekte genannt.

 

Mit Blick auf diese Äusserungen mutet es seltsam an, dass in zweisprachigen Kanton Bern bilinguale Klassenzüge von der finanziellen Potenz und/oder von deren Interessen, einen Schulversuch ohne klare Perspektiven durchzuführen, abhängt. Vielmehr müsste der Kanton, wenn es ihm mit seinen Zielen ernst ist, die aktive Förderung des zweisprachigen Unterrichts (Classes Biligues / Filièrs bilingues) übernehmen.

 

Die Vorstossenden sehen die Zukunft von zweisprachigen Klassen und Schulzügen darin, dass der Kanton die Möglichkeiten schafft, dass solche Klassen künftig zum Grundangebot der Volksschule gehört. Gemeinden, die solche Klassen(züge) eröffnen wollen, sollen keine Pilotprojekte und Schulversuche mehr initiieren müssen. Vielmehr sollen sie dem Kanton ein (genügendes) Bedürfnis nachweisen können und danach die nötige Unterstützung erhalten, um ein solches Angebot in der Gemeinde regulär auf- und, bei Erfolg, später auszubauen.
Idealerweise wären solche Klassen in bestehende Schulstrukturen integriert oder inkludiert.

Denn zweisprachige Klassen können und müssen nicht nur für Städte wie Bern oder Biel interessant sein. Auch im Berner Jura könnte ein solches Angebot auf Interesse stossen. Genau so, wie im Saanenland, wo viele fremd-/mehrsprachige Eltern ihre Kinder in einen solchen Klassenzug schicken möchten. Zweisprachige Klassen können zum Standortvorteil werden – und damit für mehr Gemeinden interessant, als man vermuten würde.

Der Regierungsrat wird deshalb mit einer Motion beauftragt, alle gesetzgeberischen und finanziellen Notwendigkeiten anzugehen, damit biliguale Klassen in Zukunft in allen Gemeinden des Kantons möglich sind. Die Eröffnung solcher Klassen soll nicht mehr von der Initiative oder finanziellen Potenz einzelner Gemeinden abhängig sein, sondern – wenn in einer Kommune gewünscht – zum «Basisangebot» der Volksschule gehören.